Rückblick auf ein sehr erfolgreiches Jahr
Dachverband der Dialekte Baden-Württemberg versammelt seine Mitglieder in Stuttgart
Stuttgart. 11. Juli 2026 Für den jungen Dachverband der Dialekte war 2025 ein ereignisreiches und sehr erfolgreiches Jahr, so konnte der Vorsitzende Dr. Martin Kistler seinen Bericht zur Tätigkeit des DDDBW einleiten. Das Projekt „Mundart in der Schule“, das Engagement des Vereins auf den Heimattagen in Weinheim waren dabei ebenso Thema wie die Ernennung der ersten offiziellen Dialektbotschafter des Landes Baden-Württemberg.
Mundart in der Schule
Der Dachverband hat durch seinen Geschäftsführer Anfang 2025 wie geplant das Projekt „Mundart in der Schule“ in die organisatorische Verantwortung übernommen. Mundartschaffende besuchen Kinder in den Schulen und gestalten dort mit ihnen eine Doppelstunde zum Thema Dialekt. Je nach Altersstufe singen die Schülerinnen und Schüler aller Schularten dabei, hören und lesen gemeinsam Geschichten im Dialekt, spielen Theater oder erfahren Interessantes aus der Geschichte der deutschen Sprache. Die Imagekampagne für das Projekt, für die der Geschäftsführer des Dachverbands das Projekt über alle zur Verfügung stehenden Kanäle wie das Kultusministerium, die Staatlichen Schulämter, die Regierungspräsidien und auch unmittelbar an einzelnen Schulen beworben hatte, hat Wirkung gezeigt. Nachdem im Jahresdurchschnitt bisher knapp 100 Veranstaltungen landesweit bei „Mundart in der Schule“ durchgeführt wurden, sind im Jahr 2025 fast 180 Veranstaltungen landesweit organisiert worden. Damit wurden etwa 5.000 Schülerinnen und Schüler an den Bildungseinrichtungen im Land erreicht. Aber nicht nur die Kinder profitieren von dieser Arbeit. Vor allem die Lehrkräfte an den Schulen im Land kommen durch das Projekt mit dem Thema sprachliche Vielfalt, das bereits in den Lehrplänen integriert ist, in der Unterrichtspraxis in Kontakt. Der Dachverband unterstützt damit die Bestrebungen der Landesregierung, in den Kindertageseinrichtungen und Schulen sowohl die Beherrschung der Schriftsprache zu erreichen als auch die Pflege der Dialekte einschließlich der Kenntnis anderer Dialekte zu befördern.
In den Bildungsplänen der Schulen – so berichtet die im letzten Jahr vorgestellte Dialektstrategie der Landesregierung –finden sich bereits heute vielfältige Anknüpfungspunkte für die Behandlung des Dialekts in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen der Fachpläne Deutsch. Einmal wird die Bedeutung dieser Anknüpfungspunkte in der Lehrpraxis durch das Projekt „Mundart in der Schule“ gestärkt. Darüber hinaus werden diese Anknüpfungspunkte für Dialekte im neuen Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten und weiteren Kindertageseinrichtungen in Zukunft eine größere Rolle spielen.
Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist unerlässlich für den kontinuierlichen Erfolg des Projekts. Einen Dank sprach der Vorsitzende Dr. Martin Kistler an dieser Stelle in Richtung SWR aus, der das Projekt im Rahmen eines Aktionstages an einer Schule in Reilingen im Rhein-Neckar-Kreis begleitet und in einem Bericht darüber in der Landesschau berichtet hat.
Heimattage
Heimat bedeutet Vielfalt. Die Heimattage Baden-Württemberg bieten verschiedene Themen und Veranstaltungen an. Seit 1978 wird auf diesem Landesfest Baden-Württembergs in vielen Bereichen gezeigt, was Heimat ist und was Heimat kann. Dazu gehört heute selbstverständlich auch das Thema Mundart. Und so darf ab sofort und in Zukunft auch der Dachverband der Dialekte nicht im Programm der Heimattage Baden-Württemberg fehlen. An den Heimattagen in Weinheim 2025 hat sich der Dachverband mit gleich zwei Mundart-Veranstaltungen beteiligt.
Im Mai gab es einen Literatur-Wettbewerb der besonderen Art. Unter dem Titel „Kumm uff de Punkt! Das Kurpfälzer Drabble – Battle“ haben sich in einem fulminanten Feuerwerk mundartlicher Literatur Kandidatinnen und Kandidaten aus ganz Baden-Württemberg dem Urteil des Publikums gestellt. Und sogar aus Bayern, Hessen und dem Ruhrgebiet glänzten die literarischen Beiträge. Das Besondere an diesem Abend war sicher: Die Autorinnen und Autoren mussten mit mundartlichen Kurzgeschichten aus exakt 100 Wörtern um die Wette performen. Wie berichtet wurde, waren sowohl das Publikum als auch alle Teilnehmenden total begeistert von dem amüsanten und unterhaltsamen Abend. Der Vorsitzende Dr. Martin Kistler sprach seiner Vorstandskollegin Veronica Kerber für Idee und Durchführung einer Veranstaltung seinen Dank aus, bei der die Wertschätzung für den Dialekt das gemeinsame Ziel des Abends war.
Nach der gemeinsamen Beiratssitzung beim Lieblingsitaliener des Beiratsmitglieds und OB a.D. von Weinheim, Heiner Bernhard, konnten Vorstand und Beirat des DDDBW im Weinheimer Schlosshof selbst von den Qualitäten der Kurpfälzer Mundartszene überzeugen. Zusammen mit Arnim Töpel sind Charly Weibel aus Reilingen und „Anton & Ursula“ Ottmann aus Dielheim aufgetreten. Die mehrfachen Preisträger bei Mundartwettbewerben haben gezeigt, wie sich mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln Menschen wie „Du und ich“ in ihren Eigenheiten und Schwächen auf die Schippe nehmen lassen. Der ehemalige Polizist Charly Weibel, dem der Dialekt viel näher ist als das Hochdeutsche, hat seine Lieder zur Gitarre gesungen. Seine Texte und Melodien aus dem Alltag kommen „aus dem Bauch heraus“, haben ihren eigenen Rhythmus und transportieren nicht nur Inhalte, sondern auch Gefühle und Töne.
Es ging im Weinheimer Schlosshof nicht nur um gute Unterhaltung, sondern auch um den Dialekt als solchen. An dem Abend sollte auch etwas von seiner Bedeutung vermittelt werden, denn er ist mit den Worten von Alt-Ministerpräsident Winfried Kretschmann „Ausdruck von Identität, Zusammenhalt und Heimatverbundenheit“. Das beste Mittel, um den Dialekt zu erhalten – so ein Resümee des Abends – ist, ihn selbst schätzen und schwätzen. Wertschätzung erfährt der Dialekt vor allem dadurch, dass die Menschen selbstbewusst mit ihrem Dialekt auftreten. Mit seinen Aktivitäten verfolgt der Dachverband weiter dieses Ziel und ist dabei auf einem sehr guten Weg.
Dialektbotschafter
Am 26. November 2025 haben die Figuren Äffle & Pferdle den Landespreis für Dialekt in der Kategorie Dialektbotschafter erhalten. Der Vorsitzende Dr. Martin Kistler äußerte sich sehr erfreut darüber, dass es sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu diesem Anlass nicht hatte nehmen lassen, die Übergabe selbst vorzunehmen. Aus der feierlichen Ernennung in der Villa Reitzenstein zitierte der Vorsitzende den damaligenn Ministerpräsidenten: „Der größte Reichtum unseres Landes ist seine Vielfalt – und dazu zählt auch die sprachliche Vielfalt. Dialekte sind Ausdruck von Identität, Zusammenhalt und Heimatverbundenheit. Und sie schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit. In diesem Sinne müssen wir unsere Dialekte bewahren und als Teil der Alltagsstruktur stärken. Genau das ist die Mission unserer Dialektbotschafter.“
Auch Kunststaatssekretär Arne Braun war zu diesem Anlass anwesend und hat ergänzt: „Die eine Hälfte der Menschen liebt ihn, die andere kann man mit dem Hafer- und Bananenblues jagen. Eines jedoch ist gewiss: Dieses seltsame und lustige Lied ist ein Stück Heimat – und in Baden-Württemberg lebendiges Kulturgut. Seit Jahrzehnten tragen Äffle und Pferdle dieses Kulturgut auf sympathische Weise in die Welt hinaus, ja, man glaubt es kaum: bereits seit 1960. Grund genug, heute die zwei Kultfiguren auszuzeichnen, und damit stellvertretend all jene, die unsere reiche Sprachkultur Tag für Tag lebendig halten.“
Die ursprünglich als kurze Pausen-Einspieler im Auftrag des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR) entwickelten Figuren haben Generationen von Fernsehzuschauerinnen und Fernsehschauern in Baden-Württemberg durch das Vorabendprogramm begleitet. Produktionen der vergangenen Jahre finden heute über das Internet ihren Weg zu einem jungen Publikum.
Zuletzt konnte in Kooperation mit dem Landesmusikrat zudem eine Kinderliedla-CD mit Äffle & Pferdle veröffentlicht werden. Die Kultfiguren sind seit 65 Jahren ein fester Bestandteil der südwestdeutschen Medienlandschaft und sind als dialektsprechendes Duo prägend für mehrere Generationen. Bis heute bringen sie die Menschen zum Lachen und der Dachverband freut sich, dass sie als Botschafter mit viel Herz, Humor und einer großen Portion Heimatgefühl nun offiziell gewürdigt werden.