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Landespreis für Dialekt 2026
Verleihung des Landespreises am 10.10.2026 in Oberkirch durch Ministerpräsident Cem Özdemir
Fulminanter Abend mit prominenten Gästen: Am 10. Oktober 2026 wurde der Landespreis für Dialekt Baden-Württemberg in 6 Kategorien vergeben. Ministerpräsident Cem Özdemir ließ es sich nicht nehmen, die frisch gebackenen Landespreisträgerinnen und Landespreisträger in der diesjährigen Heimattage-Stadt Oberkirch persönlich auszuzeichnen.
„Dialekt ist für mich das Beispiel dafür, wie bereichernd und lebendig unsere regionalen Traditionen sind: Von der Kurpfalz bis ins Allgäu und von Mittelbaden bis zur Ostalb sprechen die Menschen ganz unterschiedliche Mundarten. Jede für sich ist identitätsstiftend, jede auf ihre Weise liebenswert. Und in all ihren Facetten machen sie gemeinsam aus, was Baden-Württemberg für uns alle ist: Heimat“, sagte Ministerpräsident Cem Özdemir am 10. Oktober in Oberkirch.
Dialekte prägen in Baden-Württemberg den Alltag und sind ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses vieler Bürgerinnen und Bürger. So hat die Landesregierung im Rahmen ihrer Dialektstrategie den Landespreis für Dialekt geschaffen, der in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Dialekte Baden-Württemberg (DDDBW) vergeben wird. Dr. Martin Kistler, Waldshuter Landrat und Vorsitzender des Dachverbands, sieht im Landespreis ein starkes Zeichen für die Förderung des Dialekts: „Dialekte sind Teil der sprachlichen Vielfalt unseres Landes. Als Dachverband wollen wir das Selbstbewusstsein der Dialektsprechenden stärken und die Bedeutung der Mundart hervorheben.“ In einer weltoffenen Gesellschaft sei nicht der Dialekt provinziell, sondern die Gleichmacherei und die Normierung, betonte der Vorsitzende in seinem Grußwort: „Wir Dialektsprechende sind mehrsprachig. Das sollten wir als Vorteil werten und nutzen. Die Angst, die Sprachfähigkeit von Kindern werde durch den Dialekt eingeschränkt, ist unbegründet. Das Gegenteil ist wahr – das haben Studien längst aufgezeigt.“
Eine Matinee mit Siegerbeiträgen aus den Kategorien Musik und Literatur zeigt der Dachverband der Dialekte in Zusammenarbeit mit der Stadt Oberkirch am Samstag, den 17. Oktober um 10 Uhr im Forum am HFG in Oberkirch. Mit dabei sind Berthold Kracke, Claudia Scherer, Klaus Dieter Reichert, Markus Manfred Jung, Matthias Flad und Mona Maria Weiblen mit den Traufgängerinnen.
Preissumme von 60.000 Euro in 6 Kategorien vergeben.
250 Bewerbungen aus allen LandesteilenDie Mittel für den Landespreis werden vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bereitgestellt. Die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg fördert den Landespreis, insbesondere die Preiskategorie Neue Medien. Die Preissumme von insgesamt 60.000 Euro wird aufgeteilt in folgende Kategorien: Junge Generation, Literatur, Lied/Musik, Kabarett/Comedy/Live-Performance/Bühnenkunst, Film sowie Neue Medien. Aus den 250 Einsendungen wählte die zwölfköpfige Jury die Siegerbeiträge aus.
Impressionen von der Preisverleihung 2026
(alle Bilder: Lio Matz @lioversum)
Prämierte Beiträge 2026
Über die Verleihung des Landespreises entscheidet das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst aufgrund des Vorschlags der zwölfköpfigen Jury. Die Mitglieder der unabhängigen und ehrenamtlich tätigen Jury beruft das Ministerium für eine Amtsperiode von vier Jahren ein. Der Landespreis für Dialekt wird alle zwei Jahre an wechselnden Orten vergeben.
Die Mittel für den Landespreis werden vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bereitgestellt. Die Preissumme von 60.000 Euro wird aufgeteilt in sechs Kategorien. Die besten Beiträge in den einzelnen Kategorien werden von einer ehrenamtlichen Jury aus Fachleuten ausgewählt. Der Verband und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ermutigen dazu, die Kreativität und Vielseitigkeit des Dialekts in den verschiedenen Sparten auszudrücken. Besonders danken wir Lotto Baden-Württemberg für die goßzügige Unterstützung. Die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg fördert den Landespreis, insbesondere die Preiskategorie Neue Medien.
Hier gibt’s einen Überblick über alle prämierten Beiträge 2026 sortiert nach Kategorien:
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Kategorie Neue Medien
1. Preis
die_patrik_lehmann_show (Social-Media-Kanal)
Patrik LehmannPatrik Lehmann ist ein moderner Dorfchronist, der auf diversen Social-Media-Kanälen das Leben auf dem Dorf beleuchtet, wortreich, mit Humor, aber immer mit Respekt vor den Menschen. Er erstellt jeden Tag neue Reels aus dem Ortenaukreis, dem Breisgau, dem Elsass und dem Dreisamtal. Bei ihm kommen die unterschiedlichsten Menschen zu Wort. In nur acht Wochen konnte Lehmann bereits mehr als 10.000 Follower dazu gewinnen. Er spricht ausschließlich niederalemannischen Dialekt. Davor war er Sänger der Band Rhinwaldsounds.
2. Preis
einfach_lecker_by_steffi (Social-Media-Kanal)
Stefanie BiedermannKochen kommt von Können und Kunst – und Stefanie Biedermann kann dazu auch noch hervorragend Schwäbisch. Auf allen Social-Media-Kanälen präsentiert Biedermann schwäbische Koch -und Sprachkunst. Sie erklärt ihren Followern, wie sie „oifach legger“ schwäbische Gerichte, aber auch „neumodischs Zeug“ backen oder kochen können. Als Chronistin schwäbischer Geheimrezepte trägt sie auch etwas zur Bewahrung der Essenskultur bei. Stefanie Biedermann liebt es, Wörter wie „verkleppern“, „lummelich“, „Pederling“ und „bruddal“ in ihren Videos zu verwenden. Und Stefanie Biedermann ist unerschrocken: immer wieder kämpft sie auch gegen ihre Hater und Hass im Netz und für den Erhalt von Dialekten.
3. Preis
SOS – Streets of Stuttgart.
SOS I (2023)
SOS II (2026)
Pius Jauch für schwäbische mund.art e.V.Der Verein schwäbische mund.art wagt sich schon seit längerem in die Welt von Gaming und KI. Sein neuestes Projekt SOS – Saving Heinrich Schickhardt ist ein schwäbisches Gameplay mit vielen überraschenden Effekten. Das Ziel: jungen Menschen den Dialekt spielerisch nahezubringen. Dabei wird mit Hilfe von KI eine detailgetreue Rekonstruktion des Neuen Lusthauses in Stuttgart gezeigt und anhand alter Pläne um das Jahr 1635 als Spielwelt aufbereitet. Drehbuch, Filmmusik, Kostüme – das komplette Konzept überzeugen. SOS – Streets of Stuttgart zeigt im wahrsten Wortsinne neue Wege für den Dialekt auf.
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Kategorie Film
bester Langfilm
Tschappel
(Produktion: Beck/Beck/Groth/Greil, Apollonia Film, LAX Entertainment)
Marius Beck, Paul Beck, Carly Coco, Marc Philip Ginolas, Maximilian Greil, Charlotte GrothCarlo Brenner ist ein junger Mann aus Hintervorderbach in Oberschwaben, der nach dem Abitur auf der Suche nach sich selbst ist. Statt seinen Schwarm Pia zum Work-&-Travel nach Australien zu begleiten, muss er den Sommer in der Gastwirtschaft seiner Eltern verbringen, um den Schaden zu begleichen, den er an dem Oldtimer seines Vaters verursacht hat. Gemeinsam mit seinen besten Freunden BlaBla und Aydin versucht Carlo, seine Hoffnungen auf Selbst-bestimmung und neue Erfahrungen zu verwirklichen.
Der beste Film von allen Einreichungen, prämiert bereits mit dem „Grimme-Preis“. Sehr gutes Drehbuch mit schönen Geschichten, die authentisch und in authentischem Schwäbisch das Leben auf dem Land, vor allem der Landjugend präsentieren. Sehr gute Regie, die Spielprofis und Laienspieler hervorragend zu Harmonie im Spiel bringen. Gute Kamera, Montage und musikalische Begleitung. Fazit: Perfekt. Alles stimmt plus Humor. Flotte Regie. Beste Unterhaltung.
bester Kurzfilm
Märtyrer der Strebsamkeit
(Produktion: Sachße/Hartmann, FA Baden-Württemberg)
Paul Hartmann, Antonio Lallo, Alexander Peskador, Maximilian Sachße, Martin TheuerMitte des 14. Jahrhunderts am Grenzübergang zur Grafschaft Württemberg: Die beiden Wachsoldaten Volckel und Utz können sich nicht einig werden, ob die von König Karl IV. ins Leben gerufene Pestverordnung einen Sinn hat. Ist diese neuartige Erkrankung wirklich so schlimm, wie alle sagen? Und macht es Sinn, deswegen gleich die Grenzen zu schließen? Als der Tod persönlich an der Grenze auftaucht, um die Seuche nach Württemberg zu bringen, nimmt die Debatte ungeahnte Ausmaße an…Perfekte historische Ausstattung, schön inszeniert und witzig, auch mit absurdem Touch gespielt. Perfekt. Dramatisch, packend, hervorragende Szenerie, bemerkenswerte Mundart aus dem Mittelalter. Bleibt im Gedächtnis.
beste Dokumentation
Am Beckenrand
(Produktion: Hornberger, FA Baden-Württemberg)
Laura HornbergerGlatten, ein Dorf im Nordschwarzwald, muss 34 geflüchtete Menschen aufnehmen. Sie sollen in Wohncontainern gegenüber dem örtlichen Freibad leben. Volker, Anwohner und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Freibads, gründet daraufhin die Bürgerinitiative „Kein Containerdorf in Glatten“. Während über die Art und den Ort der Unterbringung gestritten wird, beginnt die Dorfidylle zu bröckeln – lange vor der Ankunft der Geflüchteten.
Perfekt. Ein Dorf spaltet sich. Soll ein Containerdorf ans Schwimmbad, ja oder nein. Ruhige Bilder, gute O-Töne. Verblüffender Ausgang. Ein gesellschaftliches Beispiel für viele andere…
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Kabarett/Comedy/Live-Performance/Bühnenkunst
1. Preis
Fidelius on Tour – Land in Sicht.
Musikkabarett auf der Wanderbühne
Martin WanglerMartin Wangler alias Fidelius Waldvogel ist ein Schwarzwälder mit de Füß fest auf dem Boden seiner Heimat steht, mit einem Kopf voller Geschichten und Ideen und Alemannisch als selbstverständliche Bühnensprache daherkommt. Ein schräger Vogel, der Comedy pflegt und sie nicht mit abgehangenen Gags vorstellt. Stattdessen sucht er immer neue Formen der Präsentation. Beispielsweise kocht er aus Herdepfel auf der Bühne Brägele mit einem Mocke Käs, stellt das Rezept aber singend dar, dazu noch unterstützt von einer Combo. Originell auch seine Wanderbühne aus einem alten Forstwagen. So kommt der Künstler und der Dialekt zu de Leut.
2. Preis
Ernst und Heinrich: NEX VERKOMMA LASSA
Ernst Mantel und Heiner ReiffErnst und Heinrich verstehen es, mit ihrer großen Erfahrung schwäbische Comedy skurril auf die Bühne zu bringen, ohne ins Seichte abzugleiten. Ohne Umstände kommen sie zu ihren Szenen und Liedern, die mit vielen idiomatischen Dialektwendungen oder Sprüchen gespickt sind, also aus den Tiefen der Mundart schöpfen und nicht nur eine abgewandelte Umgangssprache verwenden. Wortspiele und regionale Seitenhiebe sind die Würze im Menü, musikalisch originell ist das Duo dazu. Wenn Ernst Mantel und Heiner Reiff in die Rollen von Typen schlüpfen, dann kosten sie deren Charaktere voll aus und lassen Mundart einfach fließen.
3. Preis
Sacha ond Sächla
Friedel KehrerFriedel Kehrer steht allein auf der Bühne, mit Gitarre oder auch Akkordeon als Instrumente – und mit traditioneller Kleidung. Sie verkörpert nun eine Liedermacherin der alten Schule, die von ihren Erlebnissen berichtet und satirische Spitzen austeilt. Mit ihrer bodenständigen Art und Heimat in einem Flecken plus authentischem Dialekt kommt das Bronnweiler Weib dem Publikum nicht mit erhobenem Zeigefinger oder Zeitgeist-Aufregern. Sondern schafft Nähe durch einfache humorvolle Geschichten und Lieder von dahoim.
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Lied/Musik
beste Gruppe
Viertelestaxi
Gässlesrap Kollektiv
Yannick Marszalek, Felix Neth, Frederik Maximilian Salden, Hannes SchmidMit einem kleinen Hörspielintro wird das Publikum in eine Alltagssituation eingeführt. Das Schwäbische wird rhythmisch im Rap voll ausgekostet und durch genaue Bildhaftigkeit entsteht eine kraftvolle Authentizität. Die bekannte Häberle-Pfleiderer-Weinseligkeit erfährt mit anglistischen Einsprengseln eine neue Perspektive und zoomt das alte Thema ‚Württemberger Wein‘ in die Gegenwart. Eine gelungene Transformation in aktuelle Popularmusik. Ein gelungenes Beispiel für schwäbischen Hip-Hop.
bestes Solo
Sondermülldeponie
Matthias FladDas Intro in Ulrich-Rosky-Rag-Manier vermittelt zunächst eine gelassene Grundstimmung, die aber alsbald beim Refrain einen scharfen Kontrapunkt erfährt: Der Friedhof als Sondermülldeponie! Das klingt nach Skurrilität, entpuppt sich aber alsbald als simple Realität. Jeder Leichnam ist auch Giftmülldepot, angereichert mit Metall, Keramik und Silicon und vor allem mit Medikamenten. Das Lied ist sprachgestalterische Liedgestaltung auf höchstem Niveau. Das bluesartige Klavierspiel mit Rhythmuswechsel unterstreicht die hintersinnige und auf spezielle Art humorvoll-kabarettistische Herangehensweise an ein aktuelles, wenn auch häufig verdrängtes Umweltthema.
bestes Opus
Julius
Mona Maria Weiblen und Die Traufgängerinnen
Bernhard Krause, Susanne Wahl-Eder, Mona Maria WeiblenDie Klavier-Filmmusik-Intro versetzt den Zuhörer sofort in melancholisches Halblicht. „Im schwarze Ozug, Foto 1920“: das individuelle Schicksal von Julius wird in der Alb-Revue zur Familien- und damit zur deutschen Geschichte. Mit wenigen Skizzen baut sich eine 20stes Jahrhundert-Biografie auf mit den beiden Weltkriegen und der Sprachlosigkeit über das Erlebte. Großartig gesungen im Chanson-Stil und mit sparsamer, aber effektiver Klavierbegleitung. Sehr emotional und zum Nachdenken anregend.
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Literatur
1. Preis
Vum Sepp un de Marie
Prosa von Klaus-Dieter ReichertEinzigartig. Original. Und originell. Der Beweis, wie ein einstmaliger Briefwechsel den Lauf der Welt zu beeinflussen vermochte, wird in unserer Zeit, mehr als zwei Jahrtausende später, hier und heute erbracht. Die Geschichte vom Sepp und der Marie. Ihre anmutende Wirkung verdankt die Erzählung nicht allein, aber vorrangig dem Dialekt. Anders als mit der vertraulichen Nähe des Radolfzeller Bodenseealemannisch dürfte die bis in unsere Tage auf ungenannten und verschlungenen Wegen direkt angebahnte Beziehungskiste kaum den bekannt glücklichen Verlauf genommen haben. Und wie treffsicher der Autor darin einen komplexen Vaterschaftsprozess zu Papier und auf den Punkt bringt – kurz, knackig und bündig – das ist großes Kino. Einzigartig. Mit Leichtigkeit und einem Augenzwinkern. Und – natürlich – in Mund-Art.
2. Preis
Slang-Poetry
Lyrik von Jane WelsBeiträge für Poetry Slams – seit 2016 auch im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes – sind eine eigene Kunstform, die nicht immer den Regeln der klassischen Lyrik folgt. Die Verbindung mit der Mundart schafft dabei etwas Neues, Ungewohntes und doch Leichtes, sehr Authentisches. Da steht jemand unverbrüchlich zu seinem Dialekt und zeigt das auch ohne Wenn und Aber. Die in Mannheim geborene Autorin nennt ihr Werk Slang-Poetry. Somit eröffnet sich eine ganz neue, moderne Sichtweise. Dialekt, englischer Slang und etwas Hochsprache verbinden sich mit einer kleinen Hommage an Joy Fleming. Die Mischung ist genau so gewollt. Dazu kommt eine sprachliche Umsetzung vom Feinsten. Damit lassen sich auch junge Menschen begeistern. Beeindruckend!
geteilter 3. Preis
hoimweh
Lyrik von Claudia SchererDarf man zwiespältige Erinnerungen in einer Art Psychogramm durch Lyrik transportieren? Unbedingt, wenn man es mit hoher sprachlicher Qualität und so berührend darstellt wie in „Hoimweh“. Es geht um Nähe und Distanz, Verlorenes und Gebliebenes, die Kindheit. Auch wenn einzelne Begebenheiten eher wie ein kurzes Blitzlicht beleuchtet werden, die Aussage bleibt beim Lesenden haften. Der liebenswerte Allgäuer Dialekt ist dabei nicht nur Mittel zum Zweck, er trägt die Geschichten, wird dabei nie anklagend oder verletzend. Gerade darin liegt die Stärke des Gedichtes. Es ist egal, ob hier eigene Erlebnisse erzählt werden oder die anderer Frauen. Dem Lesenden bleibt unbenommen darüber nachzudenken, ob die Geschichte auch einer persönlichen Aufarbeitung dient. Uns hat sie sehr mitgenommen!
geteilter 3. Preis
Muetterschprooch un Vatterschprooch – Wie steht es um den Dialekt?
Ein Essay von Markus Manfred JungWikipedia beschreibt ein Essay als „Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Themen betrachtet werden.“ Das klingt nicht unbedingt unterhaltsam. Zum Glück hat sich der Autor MM Jung daran orientiert, dass der Sachtext „rhetorisch überzeugend und unterhaltsam“ sein soll. Das ist ihm dann bei „Muetterschprooch- un Vatterschprooch – Wie steht es um den Dialekt?“ voll und ganz gelungen. Und um die Beantwortung seiner Frage gleich vorwegzunehmen: Es steht nicht ganz schlecht. Noch nicht! Der Autor schafft es, treffsicher, humorvoll, aber auch nachdenklich und durchaus kritisch, Standardsprache und Mundart im direkten und im historischen Vergleich gegeneinander zu wägen und zu werten. Fazit: Ein lesenswerter, ein wunderbarer Essay. Und gleichzeitig ein kleiner, aber notwendiger Weckruf für den Dialekt.
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Junge Generation
geteilter 1. Preis
Guat gmonnte Utopien.
Ein Bühnenstück von Lena Eith, Anna Flaith und Vivienne FreySchönes Engagement der drei Frauen, die mit lustigen und kreativen Ideen für niveauvolle Unterhaltung sorgen und mit ihren Beiträgen auch durchaus zum Nachdenken anregen. Sie beherrschen den örtlichen Dialekt noch hervorragend und bringen in ihrer Show auch sehr spezielle Wörter unter (z.B. des aasàlàd= riecht nicht gut unter der Achsel, dr Schdrähl = der Kamm, Bräschdà = Gebrechen). Sie sind ein Vorbild für Jüngere und tragen auf positive Weise nachhaltig zum Dorfleben bei.
geteilter 1. Preis
HEATED (AT).
Ein Filmprojekt von Emma Bading, Lasse Lehmann und Finn-Oliver WalterDer Beitrag besteht aus dem Drehbuch zu einem geplanten Kurzfilm.
Sehr gute Ausarbeitung der allgemeinen Beschreibung und der Ziele. Das Drehbuch selbst hat Hand und Fuß, wirkt schon sehr professionell. Die Beteiligten machen so was nicht zum ersten Mal. Das Drehbuch überzeugt auch inhaltlich, die schwarze Komödie enthält eine Botschaft, die zum Nachdenken anregt. Die Dialoge sind in Mundart und bringen sie auch zur Wirkung. Es ist die Alltags-Sprache der Leute, in der sie sich ausdrücken. Das Drehbuch lässt auf einen spannenden Film hoffen.
geteilter 2. Preis
Sprachlandschaften.
Ein Atlas süddeutscher Stimmen von Elias MohrElias Mohr hat ein Buch über die Sprachlandschaften gestaltet und zeigt darin fünf Dialektregionen aus Baden-Württemberg. Er stellt Personen vor, die er interviewt hat und schreibt über deren Gedanken zur Sprache. Das Buch ist interaktiv. Man kann über einen QR-Code auf eine Homepage schalten, die es ermöglicht, auf Seiten, die ein Sternchen haben, einen Hör- oder Videobeitrag zu starten (hybrides Buch: Analog und digital). Für das Buch hat er ein spezielles Layout gewählt. Orange sind die Dialekte, die noch recht lebendig sind, grau diejenigen, die zunehmend verschwinden. Bei Letzteren symbolisiert er das Verschwinden zusätzlich, indem er viele leere Seiten einbaut und auf einer Seite den schwäbischen Text mit dem Standarddeutschen überdruckt.
geteilter 2. Preis
Wieder mehr viel Arbeit.
Ein Kurzfilm von Piel SchmittBei dem Beitrag handelt es sich um einen kurzen Dokumentarfilm, der einen Arbeitstag des Fliesenlegermeisters Rainer Decker am Limit zeigt. Ohne großen Vorspann startet der Film sofort „mitten im Leben“ des Meisters beim ersten Telefonat im Auto mit Blick auf eine Windschutzscheibe mit Riss. Ein Termin wurde falsch eingetragen, der Meister regelt das freundlich. Man sieht den Meister beim Autofahren, mitunter in hoher Geschwindigkeit, beim Verhandeln, Telefonieren, Erklären, Entscheiden, Problemlösen, Schimpfen und beim Abliefern eines Mitarbeiters mit Migrationshintergrund, der von seiner Tochter freudig begrüßt wird. Auch der Meister wird von ihr geherzt. Er sagt ihr danach, dass ihr Papa aber wieder kommen müsse, wenn „wieder mehr viel Arbeit“.
3. Preis
Laura un Sophie.
Eine Bildergeschichte von Sophie und Curdin KienzleBei dem Beitrag handelt es sich um eine illustrierte Geschichte über die Freundschaft zu einer Katze. Der Text ist in Alemannisch geschrieben, die Zeichnungen wurden mit Buntstiften gemalt.
Die Geschichte hat einen Spannungsbogen. Der Beitrag ist eine runde Sache, hat Hand und Fuß, ist altersangemessen, durchgängig im Dialekt geschrieben und super illustriert. Dieses Geschwisterpaar hat praktisch ein Kinderbuch geschrieben und damit eine sehr beachtenswerte Leistung erbracht.
Anerkennungspreis
Herrn Hömseders Musikalische Klasse 4 trifft auf die Brenz Band – Ein schwäbisches Volkslied neu interpretiert -tänzerisch kreativ umgesetzt mit eigenem Quiz
Blankenstein Grundschule SteinheimHerr Hömseder ist der Lehrer der Musik-AG und hat mit den Kindern das Lied „Muss i denn“ inszeniert. Es wird getanzt, gesungen, musiziert und bei den Vorführungen anschließend ein Quiz durchgeführt. Die Erstaufnahmen entstanden zusammen mit der Brenz Band, einer inklusiven Band, die inzwischen aufgelöst ist. Die aktuelle Klasse hat das Lied ebenfalls einstudiert. Die Kinder sind mehrfach aufgetreten, auch in Altenheimen und animierten die Leute zum Mitsingen. Der Film hat einen musikalischen Vor- und Nachspann. Die singenden und tanzenden Kinder werden wechselweise mit poetischen Bildern (Pixabay) gezeigt, die zum Lied passen.
Anerkennungspreis
Mir sen hier an dr Schual, die Dreifürstaschdoi hoißt…
Dreifürstensteinschule MünsingenDas Engagement der Lehrerinnen, Schülerinnen und Schüler ist lobenswert und zeigt, dass auch Sonderschulen kleine Beiträge zum Dialektpreis liefern können. Das Lied strahlt eine ansteckende Fröhlichkeit aus. Im Video sieht man, mit welchem Eifer vorgetragen wird. Man erkennt auch, wie hoch der Betreuungsaufwand für einzelne Kinder/Jugendliche ist.
Anerkennungspreis
Alemannische Gedanken zu Gerhard Jungs Gedicht „2022“
Carlo Baldassare, Hannah Hanke, Lynn Schöne, Timo Weber, Marius Lais
Montfort-Realschule Zell im WiesentalDas alemannische Gedicht heißt „2022“ und wurde 1978 geschrieben. Herr Jung beschreibt darin seine Gedanken, wie das Leben 50 Jahre später auf der Erde sein wird/könnte. Es ist humorvoll, bewusst überzogen und regt zum Nachdenken an. Die Schülerinnen vergleichen die Aussagen des Gedichts mit ihrer aktuellen Wirklichkeit und kommentieren es abschnittsweise in Alemannisch. Am Schluss fragen sie, wie es wohl nach weiteren 50 Jahren auf der Erde aussehen wird.
Weitere Informationen zum Landespreis gibt’s hier.